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Ein
Traum wurde Wirklichkeit |
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Um
es vorweg zu sagen: Ich habe immer sehr gerne Sport getrieben.
Sport ist nun einmal
die schönste Nebensache der Welt. Seine Vielfalt lässt
Antisportlern kaum Platz für eine plausible Erklärung,
weshalb sie sich nicht sportlich betätigen. Es wäre müßig,
hier alle positiven Seiten des Sports aufzuzählen. Tatsache
ist, dass der Sport den Menschen positiv prägt. Wenn die Einstellung
zum Sport stimmt, dann kann man – jeder für sich und auf
seine Weise- aber auch mit Gleichgesinnten, viele schöne Stunden
erleben und so manche persönlichen Erfolge erzielen. Das konnte
ich, Jahrgang 1940, in meinem Leben oft und in diesem Jahr mit der
Teilnahme am Vasalauf einmal mehr erfahren. Dabei sah es jahrelang
so aus, als würde sich dieser sportliche Traum nie verwirklichen
lassen.
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Eine
lange Vorgeschichte |
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In jungen
Jahren habe ich Fußball gespielt, später kam Tennis
hinzu und mit dem 30. Lebensjahr begann ich aktiv Laufsport zu
betreiben. Schließlich
landete ich bei der Marathonstrecke. Meine Bestzeit lag bei 2:40:44 Stunden
und war nur durch einen hohen Trainingsaufwand (5 Einheiten pro Woche –ca.
130 km) zu erreichen. Durch eine berufliche Veränderung musste ich 1983
den Wettkampfsport an den Nagel hängen, hielt mich aber durch zweimaliges
Laufen pro Woche und mit Tennisspielen fit.
In den Jahren zuvor hatte sich bei mir aber eine stille Liebe zu einer Sportart
entwickelt, die in unserer Region total unbekannt war, nämlich zum Skilanglauf.
Nur wenige Wochen Schnee im Jahr reichten aus, um im Heimatverein eine Skiabteilung
zu gründen und einen Spurschlitten anzuschaffen. Der in den Folgejahren
mangels Schnee nur sehr sporadische Einsatz dieses Gerätes änderte
aber nichts daran, dass einige von uns Blut an dieser Sportart geleckt hatten.
So fahren meine Ehefrau und ich seit 1983 mit sieben Ehepaaren alljährlich
in der ersten März-Woche zum Skilanglauf nach Bodenmais im Bayrischen
Wald.
Dort wurden dann in der abendlichen Erholungsphase bei Bärwurz und Bier
Pläne geschmiedet. Selbstverständlich wollten wir Männer am
Vasalauf teilnehmen, denn wir waren ja alle so gut und zu vorgerückter
Stunde war uns keine Abfahrt zu steil und keine Sprungschanze zu hoch. Im Laufe
der Jahre wurde es in unserer Runde immer ruhiger, die Sprungschanze wurde
vergessen, die Abfahrten waren nicht mehr so risikoreich und auch der Vasalauf
wurde in die Ferne verbannt.
Bei mir
allerdings nicht.Ich
habe dieses Ziel nie aufgegeben, ja, ich habe davon geträumt,
eines Tages an diesem Ereignis aktiv teilzunehmen und ich hatte
dafür konkrete Zeitvorstellungen. Nach meiner Pensionierung
, wenn es denn die Gesundheit erlaubt, würde ich dieses Vorhaben
angehen.
Die Vorbereitungen dafür begannen 2004. Im Märzurlaub im Bayrischen
Wald habe ich mich getestet und an einem Tag eine 60-km Strecke zurückgelegt.
Danach stand die Entscheidung fest: Im nächsten Jahr geht es nach Schweden.
Die spannende Frage war nur, wie komme ich dahin und wer kann mir Hilfestellung
bei den vielen offenen Fragen geben.
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Vorbereitungen |
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Sofort
nach meiner Rückkehr
aus dem Urlaub ging ich auf Kontaktsuche. Ich wurde per Internet
schnell fündig. Passend, als sei alles auf mich persönlich
zugeschnitten, konnte ich lesen: Vasalauf – wer fährt
mit?
Da gab es doch tatsächlich in Düsseldorf einen Verein,
der wildfremden Menschen anbot, sie mit nach Schweden zu nehmen.
Ein Anruf im Vereinsbüro
, ein erstes Gespräch mit Björn Krause und die Entscheidung stand
unumstößlich
fest:
Ich mache mit!
In der Folgezeit gab es regelmäßige Kontakte zum Ski-Klub Düsseldorf,
insbesondere mit Björn und seinem Vater Rainer und nicht zuletzt und sehr
vertiefend über eMail mit Walter Kreutner, der mir in der Folgezeit wie
eine Mutter ihrem Kleinkind alle Schritte abnahm. Er informierte mich über
alle Einzelheiten, übernahm die Anmeldung, die Buchung des Fluges
und der Pension und und und...
Erste persönliche Kontakte konnte ich bei einem Trainingswochenende in der
Skihütte in Valbert, zu dem ich dankenswerterweise eingeladen wurde, knüpfen.
Dort erfuhr ich viele Einzelheiten zum Lauf selbst und auch darüber, wie
ich mich vorzubereiten hatte. Mir war schon bewusst, dass ich vom läuferischen
her gute Voraussetzungen mitbringen würde. Das Lauftraining hatte ich schon
seit Monaten gesteigert und sogar den Köln-Marathon mitgemacht. Björns
Anregungen hinsichtlich der Stärkung meiner Schulter- und Armmuskulatur
habe ich ernst genommen und danach sofort zweimal wöchentlich ein Fitnessstudio
aufgesucht und zusätzlich zu Hause noch mit Bändern Kraft trainiert.
Ich gebe zu, dass ich ehrgeizig bin und mir ein Zeitlimit von unter 10 Stunden
gesetzt hatte. Von Nachteil war, dass ich, da ich ja noch nie an einer Skilanglaufveranstaltung
teilgenommen hatte, keine gute Zeit nachweisen und so in der letzten Gruppe starten
müsste. Dies könnte ich aber- so meine Düsseldorfer Freunde- ändern,
wenn ich Anfang Februar am König-Ludwig-Lauf in Oberammergau teilnehmen
und dort eine ansprechende Zeit erreichen würde. Gesagt- getan, ich meldete
mich in Oberammergau an, deckte mich dort mit neuen Ski und diverser Laufbekleidung
ein und schnupperte zum ersten Mal in meinem Leben Wettkampfluft. Die Teilnahme
dort war schon ein tolles Erlebnis und, was meine Zeit anbetrifft, auch erfolgreich.
Mir stellte sich die bange Frage, ob damit in Schweden etwas zu erreichen war
.So allmählich wurde ich nervös und ich fieberte dem Ereignis entgegen.
Die Zeit bis zum 6. März erschien mir noch sehr lang, aber sie rückte
näher und näher.
Endlich war es soweit.
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Anreise |
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Nachdem
Walter uns tags zuvor nochmals ausführlich über den genauen Ablauf des
Abenteuers informiert hatte, ging es am 3. März endlich los.
Welche Spannung sich in der letzten Zeit bei mir aufgebaut hatte,
spürte ich in dieser Nacht, in der an Schlaf nicht zu denken
war. Schon eine Stunde vor der vereinbarten Zeit stand ich am Flugplatz
Hahn. Das Ehepaar Schirra kam auch nicht viel später und –wie
vereinbart- packten wir am Parkplatz unsere Ski zusammen und machten
uns auf den Weg. Im Terminal lernten wir dann unsere weiteren Mitstreiter
kennen (Walter und Jürgen Kreutner, Erhard Winter, Wilfried
Milewski und Herbert Seidel). Von da an lief alles wie am Schnürchen.
Walters Zeitplan war perfekt und wurde exakt eingehalten. Das traf
sowohl auf den Flug als auch auf die Entgegennahme der Mietwagen,
auf die Fahrt nach Mora mit der eingelegten Einkaufs- und Stärkungspause
und auf den Bezug des Quartiers zu und trug ungemein zur inneren
Beruhigung bei. Ebenso das Programm der nächsten beiden Tage,
von dem das Abholen der Startnummern, das Erstellen eines Gruppenfotos,
ein Museumsbesuch, die Teilnahme an der Eröffnungfeier, Training
und Skiwachsen sowie Einkaufsbummel besonders zu erwähnen
sind.
Einen regelrechten Motivationsschub gab es für mich, als Walter mich damit überraschte,
dass ich in die Startreihe sieben vorgerückt war. Hilfreich war auch das
von Björn durchgeführte Training auf der Wettkampfstrecke, wobei ich
schon etwas erstaunt war, dass es auf den letzten Kilometern der Strecke doch
noch einige kraftzehrende Steigungen gab. Dennoch hat mich nach diesem Training
ein gutes Gefühl befallen. Der Schnee war hart und ich spürte, dass
die Strecke schnell sein würde und konnte mir vorstellen, den Lauf mit einer
Zeit unter neun Stunden zu beenden. Am Samstagabend verschwanden alle sehr frühzeitig
im Bett. Ich denke, dass jeder meiner Kameraden, genauso wie ich, in dieser Nacht
die Strecke mehrfach vom Start bis zum Ziel bewältigt hat und von einer
guten Nachtruhe keine Rede sein konnte. |
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Der
Vasalauftag begann |
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Sonntagmorgen,
3,30 Uhr, die Wecker schrillten. Jeder war danach mehr oder weniger
mit sich selbst beschäftigt und bereitete sich auf seine Weise vor. Es wurde
nicht sehr viel gesprochen an diesem Morgen. Kurz nach vier Uhr ging es aus dem
Haus. Geplant war, einen der ersten Busse, die zum Startplatz in Berga fuhren,
zu ergattern. Es war schon gespenstisch, wie viele Menschen zu dieser frühen
Stunde unterwegs waren. Walter hatte wieder alles im Griff. Er konnte nun wirklich
nichts dafür, das unser Bus alle Steigungen nur mit Hängen und Würgen
schaffte und manchmal, fast stehend, von allem, was zum Start wollte, überholt
wurde. Aber dennoch haben wir Berga rechtzeitig erreicht und jeder war von diesem
Zeitpunkt an alleine auf sich gestellt. Ich kann dieses Gefühl nicht beschreiben,
das mich von da an in seinen Bann zog.
Eine Riesen Menschenmenge mit Langlaufskiern sammelte sich auf einem großem
Plateau an. Hubschrauber kreisten tief über unseren Köpfen und aus
Lautsprechern erklang Musik, zu deren Rhythmus sich mit Gymnastik warm gehalten
wurde. Die Atmosphäre war imposant und die Nervosität bei mir nicht
mehr zu überbieten.
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Es
ging los |
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Punkt
acht Uhr kam das lang ersehnte Startzeichen und die Menschenmenge
setzte sich langsam
in Bewegung. Meine Kameraden hatten mich über die besonderen
Umstände der ersten Kilometer hinreichend aufgeklärt. Es
war tatsächlich
so, dass man kaum vorwärts kam und man sehr stark damit beschäftigt
war, darauf zu achten, dass Ski und Stöcke heil blieben. Für die ersten
3 km habe ich genau 49 Minuten gebraucht, das lag im Bereich des Erwarteten..
Dann aber ging es los. Auf einmal hatte ich das Gefühl, von jemand angetrieben
zu werden. Ich bekam regelrecht Flügel. An allen Verpflegungsstellen habe
ich kräftig zugelangt und jedes Mal drei bis vier Getränke zu mir genommen.
Ungefähr bei Kilometer 50 spürte ich, dass ich eine Zeit unter acht
Stunden schaffen könnte, wenn denn alles so optimal weiterlaufen würde.
Das gab Auftrieb. Die Strecke war verdammt gut und schnell, ganz besonders einige
Abfahrten, die ich ungebremst anging und bei denen ich zweimal in Stürze
verwickelt war. Ich hatte wirklich einen guten Tag erwischt und konnte mein Tempo
fast bis zum Schluss halten. Ein unbeschreibliches Gefühl beschlich mich,
als ich den letzten Kilometer anging. Auf der Zielgeraden habe ich jeden Meter
genossen und bin mit dem Blick auf die Uhr langsam über die Ziellinie gelaufen.
Es war geschafft! Die Uhr zeigte 7 Stunden, 39 Minuten und 5 Sekunden an. Ich
fühlte mich in diesem Augenblick so, als sei ich Weltmeister oder Olympiasieger
geworden. Dieses Erlebnis kann mir keiner mehr nehmen. Es wird mich mein Leben
lang begleiten. Ein Traum ging in Erfüllung. |
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Dank
an die Sportkameraden |
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Ich
habe dies aber nur deshalb geschafft, weil ich im Ski Klub Düsseldorf
Menschen gefunden habe, die wahre Sportkameraden sind. In unserer Gruppe stimmte
einfach alles. Es war so, als würde man sich ewig kennen. Dafür möchte
ich meinen Kameraden, insbesondere Walter und Björn, herzlich danken.
Günter
Schneider

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